Worte auf den Weg

Liebe Gemeinde,
seit zwei Monaten erkunde ich nun Ihre Kirchen, besuche verschiedene Kreise und knüpfe erste Kontakte.
In dieser kurzen Zeit konnte ich noch lange nicht all die Besuche machen und Gespräche führen, die ich mir gewünscht hätte – das Gebiet ist zu groß und die Zeit verfliegt. Trotzdem habe ich ein erstes Gefühl bekommen für eine aktive, engagierte Gemeinde, in der in allen Ecken das Leben tobt.
Manche kurzen Wege durfte ich schon mit Ihnen gemeinsam gehen, im Gespräch oder schweigend. Andere Wege kreuzen sich nur kurz – im Gottesdienst, am Gartenzaun, auf dem Friedhof oder vor der Kirche. Wieder andere werden weiterführen, als wir es gerade überblicken können. Nicht jeder Weg ist gerade, nicht jeder gut ausgebaut. Es gibt Umwege und Pausen, Tage mit Rückenwind und solche, an denen jeder Schritt Kraft kostet. Und doch gehen wir sie nicht allein. Gott geht mit – manchmal unauffällig, manchmal spürbar nah. Und oft begegnet uns auf dem Weg mehr Segen, als wir erwartet hätten: in einem freundlichen Wort, in einer offenen Tür, in einer geteilten Tasse Tee.
Ich wurde so freundlich und herzlich aufgenommen, dass mir mein kleiner Abschied in den Mutterschutz und die Elternzeit Ende März bereits schwerfallen wird. Aber zum Glück bin ich nicht aus der Welt, als Ihre Nachbarin treffen wir uns weiter, wenn ich mit dem Kinderwagen durch die Dörfer schiebe. Und auch in den Gemeinden geht es weiter. Ich werde in den kommenden Monaten durch Pfarrer Peter Krause und Pfarrer Sebastian Wilhelm vertreten. Und auch andere wohlbekannte Namen werden Sie im Gottesdienstplan entdecken.
So weiß ich, dass Sie sich in diesem vertrauten Netz aus tollen Haupt- und Ehrenamtlichen gut aufgefangen fühlen können.
Ich nehme mit auf meinen Weg Ihre vielen freundlichen Worte, die mir zugesprochen wurden. Denn ich habe schnell gelernt, dass nicht nur ich segnend bei Ihnen unterwegs bin. Der Segen weht mir auch von Ihrer Seite aus wohltuend entgegen und stärkt mich für die nächste Zeit.
Bevor ich mich auf den Weg in das nächste Abenteuer mache, möchte ich aber doch auch einen Segen bei Ihnen lassen:

Gott segne dich,
wenn der Weg vor dir noch unter Nebel liegt,
wenn du dein Gleichgewicht suchst und wackelst.
Gott segne dich,
wenn du verschnaufen musst,
wenn deine Schuhe heute zu eng geschnürt sind.
Gott segne dich,
wenn du auf deinem Weg die weißen und lila Krokusse blühen siehst,
wenn du jemanden ein Stück begleitest oder Begleitung suchst.
Gott segne dich,
wenn du dich traust, einen neuen Weg zu gehen,
und auch wenn du lächelnd die bekannten Pfade betrittst.
Amen

Ihre Pfarrerin Franziska Frey