„Mehr Landstraße als Autobahn“ – Begrüßungsgottesdienst unserer Pfarrerin

„Mein Fahrtempo mit Ihnen, das ist mehr so Landstraße.“ Mit diesem Bild aus ihrer Predigt ließ sich der Begrüßungsgottesdienst für Franziska Frey in Gutengermendorf an diesem Märznachmittag eigentlich schon gut beschreiben. Es war ein Gottesdienst, der nicht auf Tempo setzte, sondern auf Nähe, Aufmerksamkeit und einen gemeinsamen Aufbruch. Draußen lag Märzsonnenschein über dem Löwenberger Land, in der Kirche kamen Menschen aus den Orten des Pfarrsprengels zusammen, um ihre neue Pfarrerin willkommen zu heißen – herzlich, aufmerksam und mit spürbarer Freude.

Seit Januar ist Franziska Frey im Gutengermendorfer Pfarrhaus zu Hause. Der Begrüßungsgottesdienst markierte nun auch öffentlich diesen neuen Abschnitt: den Beginn ihres Dienstes im Löwenberger Land, gemeinsam mit den Gemeinden, den Gemeindekirchenräten und allen, die das kirchliche Leben vor Ort mittragen.

Dass dieser Gottesdienst auf den 8. März fiel, gab dem Nachmittag eine besondere Note. Gleich zu Beginn erinnerte Franziska Frey daran, dass es nicht selbstverständlich ist, heute als schwangere Frau im Talar vor einer Gemeinde zu stehen. Sie verwies auf die erste Frauenordination im Jahr 1943 in Sachsenhausen, ganz in der Nähe, und auf den langen Weg, den viele Frauen seither gegangen sind. Dass Frauen heute selbstverständlich Pfarrstellen übernehmen und ihren Dienst auch mit Familie und Kindern ausüben können, ist nicht einfach vom Himmel gefallen. Es ist das Ergebnis vieler Wege, vieler Erfahrungen und vieler Veränderungen. Umso dankbarer klang an diesem Nachmittag mit, dass Franziska Frey in den Gemeinden des Löwenberger Landes nicht nur Akzeptanz, sondern viel Offenheit und Unterstützung erlebt.

Superintendent Uwe Simon nahm diesen Gedanken in seiner Begrüßung auf. Er spannte den Bogen zwischen Aufbruch und Erinnerung, zwischen dem, was war, und dem, was jetzt beginnt. Dabei wurde deutlich: Ein Neuanfang in Kirche heißt nicht, alles Alte beiseitezuschieben. Wer neu anfängt, tut das nie ohne Geschichte. Erinnerungen, Erfahrungen, Prägungen und gewachsene Wege gehören dazu. Nicht alles neu machen um jeden Preis – aber offen weitergehen, gemeinsam, aufmerksam und mit Gottvertrauen: Dieser Grundton prägte die Begrüßung ebenso wie den ganzen Gottesdienst.

In ihrer Predigt griff Franziska Frey das Bild des Unterwegsseins dann noch einmal auf und führte es auf ihre eigene Weise weiter. Jesus, so sagte sie sinngemäß, sei in Glaubenssachen eher mit 120 Sachen unterwegs gewesen. Das Löwenberger Land dagegen sei mehr Landstraße. Gerade darin lag ein Bild, das hängenblieb: kein Durchrauschen, kein schneller Effekt, kein religiöser Sprint, sondern ein Weg mit Kurven, mit Weite, mit Ausblicken und mit Zeit für Menschen. Ein Weg, auf dem man auch einmal den Schulterblick wagen darf, ohne gleich vom Kurs abzukommen.

Das passt nicht nur gut zur Landschaft zwischen den Dörfern, sondern auch zu den Aufgaben, die vor einer Pfarrerin auf dem Land liegen. Die Wege sind weit, die Orte zahlreich, die Gemeinden kleiner geworden, die Räume größer. Und doch steckt in genau dieser Wirklichkeit auch eine besondere Chance: kleine Straßen, Begegnungen am Wegesrand, vertraute Orte, neue Kontakte, gemeinsames Wachsen. Nicht Hektik, sondern Verlässlichkeit. Nicht Tempo um des Tempos willen, sondern ein Weg, der Menschen mitnimmt.

So war dieser Begrüßungsgottesdienst in Gutengermendorf mehr als ein offizieller Termin. Er war ein freundlicher, heller und hoffnungsvoller Auftakt. Einer, der das Neue begrüßte, ohne das Gewachsene geringzuschätzen. Einer, der die Gegenwart ernst nahm und zugleich die Zukunft offenhielt. Und einer, der schon in den ersten Bildern und Worten spüren ließ, wie Franziska Frey ihren Dienst im Löwenberger Land versteht: zugewandt, aufmerksam, mit Sinn für Geschichte und mit Vertrauen darauf, dass Gottes Wege auch auf Landstraßen gut weiterführen.

Stefan Determan