Andacht zum Herbst
Genau 1 Jahr ist es jetzt her, seitdem ich Pfarrer im Löwenberger Land bin. Als ich gekommen bin blühten gerade die Sonnenblumen. Dieses Jahr durfte ich sie wieder bewundern, die Sonnenblumenfelder, weit wie ein gelbes Meer. Inzwischen sind die meisten Blumen auf dem Feld schon wieder verblüht – Zeichen, dass es bald wieder Herbst wird. Es ist wie in unserem Leben: Sonnenzeiten wechseln mit regnerischen und nebligen Oktobertagen ab. Der goldene Herbst, vielleicht denken Sie auch an Paul Gerhardts Lied: „Die güldne Sonne.“ Denn golden glänzt der Himmel bei so manchem Sonnenuntergang im Herbst und die Sonne lässt die Bäume in ihrem Laubkleid golden glänzen. „Die güldne Sonne voll Freud und Wonne bringt unseren Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder; aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, schaue den Himmel mit meinem Gesicht.“ Ja, das Singen kann unser Herz aufmuntern und den Herbstnebel vertreiben, so dass wir wieder fröhlich werden auch an Tagen, an denen nicht die Sonne scheint. Die 8. Strophe des Lieds erinnert daran, dass im Herbst „alles vergehet“. „Gott aber stehet ohn alles Wanken, seine Gedanken, sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden, heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen, halten uns zeitlich und ewig gesund.“ Ja, die Sonne der Gnade Gottes trägt uns durch gute wie durch schwere Tage, im Sommer wie im Herbst. Am Herbst können wir sehen, dass Werden, Vergehen und wieder Neuwachsen zu unserem Leben gehören. Wohin mein Weg auf Erden mich führt, kann ich nicht immer voraussehen. Wir können aber gewiss sein, dass wir in Gott ein ewiges Aufgehobensein und Geborgenheit erfahren dürfen. Das meint die christliche Botschaft vom Heil. Sie schenkt uns ein Licht auch an trüben Herbsttagen und taucht die sonnigen in ein goldenes und glänzendes Licht. Das lässt mich dankbar sein und weitet mein Herz.
Euer Pfrarrer Vinzent Dirzus
