Andacht zum Sommer
Liebe Leserinnen, Leser, Gemeindemitglieder und Gäste,
stellen Sie sich vor, Sie schauen in ihren Briefkasten … und finden eine Postkarte. Viele Grüße werden heute digital versendet. Da ist eine richtige Postkarte schon etwas Besonderes. Die Karte in Ihrem Briefkasten ist noch aus einem anderen Grund besonders. Sie hat in der Mitte, da wo sonst ein Bildmotiv ist, ein Loch. Sie fragen sich, welcher Witzbold solch eine Karte schreibt, und schauen nach. Ganz unten steht: „Dein dich liebender Gott“. „Also hat Gott doch Humor“, denken Sie und haben vielleicht völlig recht. „Aber warum schreibt Gott mir eine Karte? Normalerweise erfolgt meine Kommunikation mit Gott ja eher per GEBET. Und viele sagen, in der Regel kommt doch nie eine Antwort. Und jetzt eine Postkarte von Gott!? Habe ich womöglich etwas angestellt?“ Sie fangen an zu lesen: „Mein geliebtes Kind …“ (was hätten Sie denn gedacht, wie Gott Sie anspricht?) „… ach, ich habe gewusst, dass Du Dich über das Loch in meiner Karte wunderst. Aber ich musste Dir diese Karte einfach schicken. Warum? Weil es keine gewöhnliche Karte ist. Und das liegt nicht nur daran, dass sie ein, sondern dass sie dieses Loch hat. Es ist nämlich kein gewöhnliches, sondern ein bewusstseinsveränderndes Loch. Ich weiß schon, dass „bewusstseinsverändernde Angelegenheiten“ bei Euch etwas umstritten sind. Aber keine Sorge, da ist nichts drin, was schadet. Aber etwas, was Dein Bewusstsein verändert. Wenn Du hindurch schaust, wirst Du plötzlich alles ganz anders sehen. Jedenfalls wenn ich Dich ansehe, dann gucke ich durch dieses Loch. Dann sehe ich Dich, so wie ich Dich geschaffen habe – mit Deiner Nase, die mir – wie ich finde – echt gut gelungen ist. Ich freue mich darüber, wie Du das nutzt, was ich Dir geschenkt habe: z.B. Deine Hilfsbereitschaft – weißt Du eigentlich, wie vielen Menschen Du damit schon geholfen hast? Ich weiß auch, dass Du manchmal unzufrieden mit Dir selbst bist… Aber denk bitte dran: Ich habe Dich ganz wunderbar gemacht. Du bist, so wie Du bist, genau richtig. Und wenn ich manchmal sehe, wie Du in Deiner (gut gelungenen) Nase popelst, dann muss ich auf der Stelle anfangen zu tanzen und zu lachen. Du bist einfach einmalig! Ich sehe Dich mit Liebe an. Vielleicht ist dieses Loch ja auch gefüllt mit Liebe? Du kannst die Liebe zwar nicht sehen, aber du kannst sie spüren. Du kannst Liebe auch nicht von anderen einfordern, aber Du kannst sie dankbar empfangen. Du kannst Liebe auch nicht kaufen oder verkaufen, aber Du kannst sie verschenken. Und ich habe Dich so gemacht, dass Dein Vorrat an Liebe nie aufgebraucht sein wird. Diese Karte soll für Dich eine Erinnerung sein, dass ich Dich so, wie Du bist, immer liebevoll ansehe. Und die anderen auch. Genau wie Dich. Weil ich auch sie so lieb habe, wie sie sind.
Aber die Karte hat noch einen anderen Sinn: Nimm die Karte und halte sie dir vor das Auge und schau deine Nachbarin oder deinen Nachbarn oder die, die um Dich sind an. Du kannst sie sehen, wie ich sie sehe: in Liebe. Auch als geliebte Kinder. Es kann vielleicht sein, dass der eine meckert oder der andere komisch ist oder jemand eine Glatze hat oder jemand ganz anders als Du aussieht. Aber wenn Du durch die Karte schaust, kannst Du sehen, dass es ganz tolle Typen sind, großartige und mutige Menschen, Personen, die liebevoll sind – und manchmal auch etwas geschafft oder allein oder traurig. Dann brauchen sie vielleicht gerade eine nette Gesellschaft. Bitte sei für sie da. Ich habe sie nämlich genauso lieb wie Dich. Dich habe ich auch unglaublich lieb. Nimm die Karte bitte mit in deinen Alltag. Und schau die Leute und die Welt durch dieses Loch an. Und denk dran: Ich habe auch sie geschaffen und ich mag sie sehr! Bitte gib meine Liebe weiter. Und wenn Du mal wieder etwas auf dem Herzen hast, weißt Du ja, wie Du mich erreichen kannst! Dein dich liebender Gott.“
Liebe Leserinnen, Leser, Gemeindemitglieder und Gäste, kommen Sie gut zum Briefkasten und durch den Sommer!
Ihr Pfarrer Sebastian Wilhelm Gransee
